Dachau – ein Ort des Erinnerns und des Mahnens

Quelle: privat

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Denkt man an München, fallen einem direkt eine Menge schöner Orten ein, die Jahr für Jahr eine große Masse an Touristen aus dem In- und Ausland anlocken: Der Viktualienmarkt, der Englische Garten und der Marienplatz sind sicherlich nur einige der vielen Aushängeschildern der bayerischen Landeshauptstadt. All diese Orte erfreuen sich reger Beliebtheit und sind weit über die Landesgrenzen Bayerns und Deutschlands bekannt. Weltweit in aller Munde ist ebenfalls das Münchner Oktoberfest, für welches sich jährlich Millionen Besucher aus der ganzen Welt auf der Theresienwiese versammeln. Hier wird ausgelassen getrunken, getanzt und in sonstiger Weise bis zum Exzess gefeiert. Dass gut 20 Kilometer entfernt ein anderer Ort liegt, der national wie international durchaus bekannt ist, vergisst man dabei schnell. Die Rede ist von dem ehemaligen Konzentrationslager Dachau vor den Toren Münchens. Und genau diesen Ort des Schreckens und des Mahnens habe ich in den Osterferien besichtigt. In der Schule hat man schließlich auch von Dachau gehört und Bilder gesehen, die Zeugnisse des unermesslichen Schreckens sind, welche in diesem und den vielen anderen Lagern der Nazis allgegenwärtig waren.

Doch so eine Besichtigung eines Kzs wie in Dachau ist noch einmal etwas ganz Anderes, es ging mir unter die Haut. Das tägliche Leid, das hier bis vor knapp 70 Jahren noch allgegenwärtig war, fühlt sich auf einmal so nah an, als mir bewusst wurde, dass genau an der Stelle, auf der ich gerade stand, unzählige unschuldiger Menschen zu Tode kamen. Auch als ich einen Augenzeugenbericht von einem Insassen sah, der den gleichen Nachnamen wie ich trägt. Schon auf dem Weg zum KZ habe ich einen Überblick über das unbeschreibliche räumliche Ausmaß dieses Lagers erhalten. Der Weg in das eigentliche KZ führt durch eine große Stahltür, auf der die Nazi-Parole „Arbeit macht frei“ prangert. Ein widerwärtiger Spruch. Fast unbeschreiblich ist die Tatsache, dass unbekannte Diebe die Original-Tür 2014 gestohlen haben und von ihr seitdem jede Spur fehlt. Doch das war nicht das einzige, was mir an dem Tag die Sprache verschlagen hat. Die Gedenkstätte ist eine Mischung aus Ausstellung und Erinnerungsstätte im originalgetreuen Zustand. In vielen Bereichen sind in den Räumlichkeiten Tafeln mit Bildern, Berichten und Original-Dokumenten aufgestellt, welche alle von der Schreckensherrschaft der Nazis zeugen. Andere Bereiche, wie die Krematorien, sprachen für sich und sind nur mit kleinen Infotafeln ausgestattet. Gerade in diesen Einrichtungen zu stehen, war sehr ergreifend, wenn man bedenkt, wie viele unschuldige Menschen hier einfach verbrannt wurden. Ein gewisses Gefühl von Ekel machte sich ebenfalls in mir breit. Auch spürte ich beim Anblick und Betreten der Gaskammer Unbehagen und fühlte mich eingeengt. Ich hatte auf einmal Angst, dass es mir wie so vielen damals erging, die Tür zufällt und sich für mich lebend nicht mehr öffnet. Doch zum Glück ist diese Zeit des Schreckens vorbei und jeder, der heute lebt, kann froh sein, dieses Leid, welches die Nazis angerichtet haben, nicht erfahren zu müssen. Natürlich sind Armut und politisch oder religiös motivierte Verfolgung heutzutage auf der Erde noch in vielen Gebieten allgegenwärtig und darf keineswegs vergessen werden. Doch sind die Zeiten solcher Diktaturen und Weltkriege hoffentlich vorbei. Über der Tür der Gaskammer prangert immer noch ein Schild mit der Aufschrift „Brausebad“. Dieser perverse Euphemismus spiegelt die Denkweise der Verantwortlichen wieder. Während meines Besuches konnte ich nachvollziehen, wie sich die Häftlinge im KZ gefühlt haben müssen. Augenzeugenberichten zufolge beschrieb ein Aufseher Dachau als einen Ort, an dem die Insassen „ehrlos, wehrlos und rechtlos“ waren.

Alles in allem war die Erfahrung, die ich in Dachau gemacht habe, eine sehr prägende und mahnende. Ich war noch schockierter als ich es zuvor beim Lesen von Berichten über das NS-Regime war, weil ich mir sozusagen mittendrin vorkam. Ich konnte mir selber ein Bild machen, wie so ein Ort des Schreckens damals aussah und was das für die Häftlinge bedeutete, beziehungsweise konnte es so gut wie möglich versuchen. Positiv ist mir die ausgeprägte Vielfalt der Besucher aufgefallen. Leute aus der ganzen Welt wollten Dachau, und nicht eben (nur) München, besuchen. Das ist wichtig, damit das Leid der Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät und uns mahnt, mit unserer Zukunft friedlich umzugehen.

Von München aus ist die Gedenkstätte relativ schnell und einfach mit der S-Bahn und dem Bus zu erreichen. Zunächst einmal gelangt man an das Besucherzentrum, wo es Informationen wie Pläne in verschiedenen Sprachen gibt. Auf Wunsch können auch Hilfsmittel wie Audioführer ausgeliehen. Der Eintritt ist kostenlos. Geöffnet ist die Gedenkstätte jeden Tag von 9 bis 17 Uhr.
Infoseite KZ Gdenkstätte Dachau

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