Reisebericht: Istanbul

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Teil I

Als eine der ältesten noch bestehenden Städte der Welt beeindruckt Istanbul nicht nur mit ihrer drei-tausendjährigen Geschichte, sondern vor allem auch als ein Ort, an dem Tradition und Moderne aufeinandertreffen und das türkische Lebensgefühl gleichermaßen beeinflussen. Als einzige Metropole der Welt, die auf zwei Kontinenten liegt, stellt Istanbul – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Brücke zwischen Asien und Europa dar. Sinnbildlich hierfür steht die Bosporusbrücke, die beide Teile Istanbuls, den europäischen und den asiatischen Teil, miteinander verbindet. Die Metropole bewegt sich zwischen islamischer Tradition und angesagter Metropole, zwischen Asien und Europa, zwischen Orient und Okzident. Einst Byzanz, dann Konstantinopel und letztendlich Istanbul – die Stadt am Bosporus erlebte eine wechselvolle Geschichte, die nahezu an jeder Ecke zu bewundern ist. Istanbul ist die Stadt der 1000 Ausblicke, egal ob von einer kleinen Gasse oder dem höchsten Punkt, die Stadt besticht mit ihren Panoramaaussichten wie keine andere. Ich habe mich auf die Suche nach den Orten gemacht, die neben den bekannten Sehenswürdigkeiten, unbedingt gesehen und erlebt werden sollten.

Einmal in Istanbul, sollten natürlich auch die „typischen“ Touristenmagneten aufgesucht werden, sie sind schließlich nicht grundlos beliebte Besichtigungsziele. Wenn möglich, sollte Istanbul weitestgehend zu Fuß erkundet werden, so sieht und erlebt man die Stadt am besten (und hat trotzdem das Gefühl, vieles verpasst zu haben). Trotz der gut ausgebauten Straßenbahn, der Metro und der Buslinien, besteht der Reiz darin, sich unters Volk und ins Getümmel zu mischen. Das Schauen und Erkunden macht den Charme eines Istanbul-Besuchs aus, darum sollten Besucher auch davon ausgehen, mindestens zehn bis fünfzehn Kilometer am Tag zurücklegen zu müssen – die Strapazen werden belohnt, das verspricht die Stadt…

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Tram

Beginnend vom Taksim-Platz sollte die berühmte Istiklal-Caddesi, die Unabhängigkeitsstraße im Stadtteil Beyoglu, entweder mit der nostalgischen „Tram“ oder zu Fuß erkundet werden. In diesem Künstlerviertel präsentieren sich nicht nur zahlreiche Modegeschäfte, sondern auch viele kleine Speiselokale. Viel interessanter sind jedoch die kleinen Gassen, die von der großen Istiklal-Caddesi abführen. In die Gassen eingetaucht, entdeckt man winzige Cafés, die gleichzeitig Foto- und Bilderausstellungen zeigen oder wie ein Puppenhaus oder eine Bibliothek aussehen. Dort tummeln sich Istanbuls kreative Köpfe: Von Fotografen, zu Schriftstellern bis hin zu den Freigeistern – hier sind Künstler aus jeder Sparte anzutreffen. In Beyoglu pulsiert aucht das Nachtleben Istanbuls. Man trifft überwiegend junge Leute, authentisch und gleichzeitig kosmopolitisch prägen sie das Stadtbild. TIPP: Unbedingt ein Lokal mit Dachterrasse aufsuchen und in einer sogenannten Meyhane (Schenke), in der viele verschiedene, kalte Vorspeisenteller serviert werden, so viel Meze wie möglich probieren. Übrigens: Ein solches Lokal ist der beste Ort, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Außerdem bietet das traditionsreiche Süßwarengeschäft „Hakki Zade-1874“ am Taksim-Platz das wirklich leckerste Baklava der Stadt an. Das Pistaziengebäck findet man hier in allen Variationen.

Galataturm

Galataturm

Am Ende der Istiklal-Caddesi baut sich der historische Galataturm auf. Er zählt zu den ältesten Türmen der Welt, ist ca. 70 m hoch und bietet einen atemberaubenden 360° Blick auf die Stadt. Unverzichtbar! TIPP: Richtig genießen lässt sich der Ausblick morgens, dann ist die enge Aussichtsterrasse nicht überfüllt.

Vom Galataturm aus macht man sich weiterhin zu Fuß auf dem Weg zum Stadtteil Eminönü. Um dort hinzugelangen, muss die Galatabrücke überquert werden, auf der sich zahlreiche Hobby-Angler befinden und nach kleinen Fischen Ausschau halten. Apropos Fisch: unterhalb der Brücke befinden sich zahlreiche, gute Fischrestaurants. Hier und an den kleinen, irrsinnig schwankenden Booten am Hafen von Eminönü bekommt man ein leckeres Balik-Ekmek, ein wirklich schmackhaftes und preiswertes Fischbrötchen. TIPP: An dem Stand, an dem sich die meisten Menschen befinden, schmeckt der Fisch besonders gut. Ein absolutes Muss für Fischliebhaber! Dazu schmeckt ein frisch gepresster Saft aus Orangen und Granatäpfeln, den man an den umherstehenden kleinen Saftständen bekommt.

In Eminönü, der Istanbuler Altstadt, befindet sich die Hagia Sophia – einst größte christliche Kirche, später Moschee und heute ein Museum. Das Museum ist aufgrund seiner Architektur und Bedeutung das Wahrzeichen Istanbuls. Westlich der Hagia Sophia findet sich die Cisterna Basilica, eine unterirdische Zisterne, die auch als „Versunkener Palast“ bekannt ist. In der von Kaiser Justinian in Auftrag gegebenen, ca. 2000 Jahre alten orange-1383071_960_720Zisterne können neben den ca. 350 Säulen und schwimmenden Fischen, zwei gigantische Medusenköpfe betrachtet werden. Die Zisterne diente übrigens auch als Schauplatz für den James Bond Film Liebesgrüße aus Moskau und Dan Browns Roman Inferno. Auch die berühmte Sultanahmet Moschee, oft Blaue Moschee genannt, befindet sich in unmittelbarer Umgebung.

 

Süleymanye Moschee

Süleymanye Moschee

Genauso, wenn nicht sogar interessanter und weniger touristenüberladen ist die benachbarte Süleymanye Moschee. Ihre bunten Steinglasfenster mit arabischer Kalligrafie und die von der Decke tief hängenden Lichter tauchen die Moschee in ein sanftes Licht ein. Die Moschee repräsentiert den Höhepunkt der osmanischen Architektur und gewährt den Blick auf die Gräber Sultan Süleymans, dem Prächtigen, und seiner großen Liebe Roxelana (Hürrem Sultan). TIPP: Über den Garten der Moschee gelangt man zu einer kleinen Seitenstraße, die einem den Weg zu einem unscheinbar wirkenden Gebäude weist, dessen Dachterrasse und das sich dort befindende Bistro eine der schönsten Ruhepunkte und Ausblicke über Istanbul bietet. Hier trifft man überwiegend Einheimische und genießt den Ausblick über den Bosporus und über die Kuppeldächer der Süleymanye Moschee bei einem türkischen Tee und Zigarra-Börek.

imageIstanbul hat noch sehr viel mehr und sehr viel Beeindruckendes zu bieten. Warum man unbedingt mit der Fähre auf die asiatische Seite schippern, den Prinzeninseln einen Besuch abstatten, auf den Spuren des französischen Schriftstellers Pierre Loti gehen und das Topkapi-Saray sehen sollte, werde ich im zweiten Teil des Reiseberichts erzählen.