„Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“

Filmkritik

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Gold Bar, Washington (Drehort)

Der ein oder andere wird bei dem Titel an einen Superhelden denken, der mit unmenschlichen Kräften auftrumpft und die Menschheit mit wehendem Umhang vor dem Bösen beschützt. Zugegeben: Schauspieler Viggo Mortensen verkörpert in seiner Rolle als Vater Ben auch in gewisser Weise einen Superhelden. Er lebt mit seinen sechs Kindern und seiner Frau mitten im Wald, führt sein eigenes Leben mit eigenen Regeln, Normen und Werten. Eine Aussteigerfamilie, die sich nicht vom Staat unterkriegen lassen will und Kapitalismus und Faschismus ablehnt.Bereits die jüngsten Kinder der Familie Cash kennen sich mit politischen Grundbegriffen, Quantenphysik und klassischer Musik aus. Unterrichtet werden die Kinder von ihren Eltern, die staatliche Schulen ablehnen. Neben Weltliteratur, Physik und Mathe, lernen die Kinder auch das Überleben in der Wildnis. Wie jage ich ein Reh? Wie erklimme ich eine Steilwand? Wie verteidige ich mich in einem Kampf? Die Familie Cash möchte sich ein Leben abseits der Konsumgesellschaft ermöglichen. Doch auch diese Lebensweise hinterlässt seine Narben. Mutter Leslie ist an einer bipolaren Störung erkrankt und nimmt sich nach langer Zeit der Krankheit das Leben. Um den letzten Willen ihrer Mutter und Ehefrau zu erfüllen, muss die ungewöhnliche Truppe ihr Zuhause in der Wildnis verlassen und sich in die reale Welt begeben. Für die Kinder bedeutet dies die erste Begegnung mit Supermärkten, Spielekonsolen und gesellschaftlichen Regeln. Nicht selten bleiben die Blicke an ihnen hängen, Verwunderung macht sich breit. Doch obwohl der Film lustig gemacht ist, wird dem Zuschauer immer wieder vorgeführt, was eine solche Aussteigerfamilie mit ihrem Leben kritisieren möchte und wie sich ihr Lebensstil auf die Kinder auswirken kann. Denn in der realen Welt angekommen, merkt der älteste Sohn Bodevan, dass er sich nicht zurechtfindet. Spätestens als er ein Mädchen kennenlernt wird ihm klar, dass er trotz der vielen wertvollen Erfahrungen in der Wildnis vom Leben keine Ahnung hat. Die scheinbar perfekte soziale Utopie gerät zwischen die Fronten. Der Vater von Mutter Leslie wünscht sich für seine Tochter ein christliches Begräbnis und fordert das Sorgerecht für die Kinder ein, da er Vater Ben und seinen Lebensstil als unangemessen für die Kinder ansieht und Ben vorsätzlichen Missbrauch vorwirft. Auch Ben fühlt sich nach und nach mit der Frage konfrontiert, ob er seinen Kindern bloß seine Überzeugungen aufgezwungen und die Grenzen überschritten hat.

Regisseur und Drehbuchautor Matt Ross, der selbst in einer Kommune aufgewachsen ist und von dieser Art und Weise zu leben begeistert ist, schafft es mit „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ sowohl die positiven als auch die negativen Seiten der Aussteigerfamilie aufzuführen. Ein kritischer Film, der es schafft, den Zuschauer zum Lachen und Nachdenken zu bringen und dabei zwei Welten ineinanderfließen lässt, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Bildquelle: Wikimedia Commons (Joe Mabel, CC BY-SA 3.0)