Danach

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Promenade des Anglais in Nizza

Zwei Monate ist es nun her, seit in Nizza 86 Menschen getötet und hunderte weitere bei einem grausamen und feigen Terrorakt verletzt wurden. Zwei Monate, in denen eine Nation und mit ihnen die ganze Welt trauerte. Zwei Monate, die gezeichnet waren von dieser Tat und in denen dennoch langsam der Alltag in die Touristenstadt zurückkehrte.

Seit 25 Jahren reise ich mit meiner Familie nach Nizza. Dort habe ich meine halbe Kindheit verbracht und unvergessliche Momente erlebt. Jedes Jahr fieberte ich den Ferien und somit der Abreise Richtung Süden entgegen. Doch in diesem Sommer vermischte sich mit der Freude auch ein Gefühl der Angst. Nicht vor einer noch andauernden akuten Terrorgefahr, sondern vor der Veränderung, die eine so unmenschliche Tat, wie die des Amokfahrers, mit sich bringt. Nizza bedeutete für mich nicht nur Heimat, sondern auch ungebändigte Lebensfreude, die Liebe der Franzosen zu ihrer Stadt, Leichtigkeit, Unbeschwertheit, Genuss. Ich fürchtete mich vor den Spuren, die der Terror und der Verlust seiner Opfer bei den Menschen hinterlassen haben könnte.

Im Nachhinein bin ich beeindruckt und überrascht, mit wie viel Stärke Nizza aus diesem Albtraum hervorgegangen ist. Die Menschen legen Blumen und Kerzen am Denkmal für die Opfer nieder, noch immer trauert man an der Promenade um die Toten und Verletzten, doch zugleich zeigt sich die Stadt noch mutiger, noch stolzer als sie seit jeher war. Die Lebenslust der Menschen ist beispielhaft und ansteckend, sie strahlen so viel Zuversicht aus, dass ich mich zu keiner Zeit bedroht fühlte. Natürlich sind die gestiegenen Schutzvorrichtungen spürbar. In den Einkaufshäusern werden Taschen kontrolliert, die Polizei patrouilliert stark bewaffnet durch die Innenstadt und der Ton am Flughafen ist rauer geworden. Dennoch war zu keinem Zeitpunkt Angst oder Unsicherheit zu spüren. Kurz nach dem Anschlag sagte Frankreichs Präsident François Hollande in einer Rede, dass Frankreich diesen Angriff auf seine Werte – Liberté, Égalité, Fraternité – nicht dulden, sich nicht in seiner Freiheit einschränken lassen werde. Und er behielt recht.