Tote Mädchen lügen nicht – Eine Übersicht

Eine Highschool irgendwo in den USA. Klischeehafte Charaktere wie der Außenseiter, der Footballspieler, die Cheerleaderin, der Vertrauenslehrer. Und doch ist in dieser Geschichte alles anders. Es geht um Hannah Baker, Einzelkind, frisch zugezogen, auf der Suche nach Freunden und der Liebe. Ein Jahr später machen Audiokassetten die Runde, die das Leben vieler Mitschüler auf den Kopf stellen.

„Hey, hier ist Hannah Baker. Mit deinem Abspielgerät ist alles in Ordnung. Ich bins – live und in Stereo.“

So beginnt die Netflixserie „Tote Mädchen lügen nicht“ (Originaltitel: 13 Reasons Why), die am 31.März 2017 auf dem Streamingportal veröffentlicht wurde. Clay Jensen wird ein Paket von 7 Kassetten mit insgesamt 13 bespielten Seiten zugeschickt. Der Inhalt ist Hannahs Geschichte zum Selbstmord – in 13 Gründen. Zusammen mit Clay geht der Zuschauer Hannahs Erzählungen nach und findet heraus, warum das Highschoolmädchen sich das Leben nahm.

Die Serie erreichte auf dem sozialen Netzwerk Twitter Rekordzahlen. Innerhalb der ersten Woche nach Veröffentlichung erschienen 3,5 Millionen Tweets über „Tote Mädchen lügen nicht“. In sämtlichen Medien wird über die Serie gesprochen, die Werbetrommel wird natürlich auch ordentlich gerührt. Aber warum erweckt eine Serie, deren Inhalt auf dem gleichnamigen Buch von Jay Asher basiert, somit also nicht neu ist, so viel Aufsehen?

Grund dafür ist die Thematik. Selbstmord. Über sowas wird nicht gesprochen. Nun aber schon. Die Meinungen zum Thema Selbstmord und Depression gehen dabei sehr auseinander. Viele, darunter auch viele bekannte Gesichter (Selena Gomez war beispielsweise Produzentin der Serie), befürworten die Serie, fordern zum angucken auf, sind für eine Einführung derer in Schulen um mit dem Thema offener und auch sensibler umzugehen. Viele andere warnen vor der Serie, sagen, dass Selbstmord verherrlicht würde, dass die Serie viele junge Menschen animieren würde sich das Leben zu nehmen und fordern sogar die Verbannung der Serie.

Mein Fazit: Nach der siebten Folge musste ich mich etwas durch die restlichen Folgen quälen, weil es viele langweilige Szenen gab. Momente aus Hannahs Leben wurden wieder und wieder durchgekaut, Szenarien immer wieder dargestellt. Es wird dadurch etwas langatmig, was die behandelten Themen aber nicht weniger stark macht. Die schauspielerische und künstlerische Leistung ist hervorzuheben, besonders Kate Walsh in der Rolle der Mrs. Baker ist grandios.

Ich find es wichtig, die dargestellten Themen öffentlicher zu behandeln und bin froh über die Medienrummel. Dass sich Jugendliche nur aufgrund der Serie das Leben nehmen oder nehmen wollen halte ich für schwer nachweisbar, sie hätten sich genauso gut von einem anderen äußeren Einfluss lenken lassen können. Meiner Meinung nach sollte vielmehr auf Mobbing, Gewalt und psychische Probleme im Klassenraum eingegangen werden. Die Serie und auch die Buchvorlage sind da ein guter Anhaltspunkt. Ob man nun aber die Serie gutheißen möchte oder seinem minderjährigen Kind die Serie mit nachvollziehbarer Begründung verbieten möchte, sei jedem selbst überlassen. Man sollte sich jedoch vorher selbst eine Meinung machen und nicht nur auf das hören, was andere sagen.

Im Mai wurde die Produktion einer zweiten Staffel bestätigt. Diese soll – wie die erste – aus 13 Folgen bestehen und das Leben der anderen Charaktere nach Hannahs Tod behandeln.

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