Belarus Teil zwei

Seit Ende September bin ich zurück aus Belarus. Natürlich ist es schön, wieder daheim bei der Familie und den Freunden zu sein; dennoch denke ich noch so manches Mal an die schöne Zeit in dem Land, das jetzt auf einmal so fern scheint, zurück. Mit voller Begeisterung habe ich meiner Familie und meinen Freunden von meiner Zeit dort berichtet. Vor allem die aufrichtigen Menschen, denen ich begegnet bin, sind bemerkenswert. Dieses für sie ebenfalls überaus ferne und fremde Land ist in meinen Augen ein Geheimtipp für Menschen, die Urlaub in der Natur fernab von touristischen Pfaden verbringen möchten.

Belarus ist touristisch gesehen ein alles andere als überlaufenes Land. Westeuropäer habe ich beispielsweise nur in der Hauptstadt Minsk getroffen.

Eine von vielen Lenin-Statuen im Land

Vor allem Naturfreunde kommen in diesem Land voll und ganz auf ihre Kosten. Zwischen den Dörfern und Städten gibt es kilometerweit oft noch unberührte Natur zu sehen, geprägt von vielen Wäldern und einigen Seen. Besonders bekannt und bei Touristen beliebt ist der Białowieża-Urwald (Nationalpark) an der Grenze zu Polen, welchen ich allerdings leider (noch) nicht besuchen konnte. Es ist einer der letzten Urwälder Europas und erstreckt sich über Polen und Belarus. Eine visafreie Einreise von Polen aus ist für EU-Bürger für 3 Tage möglich (hier). Auch einige Städte im

Schloss in Krytschau

Westen des Landes wie beispielsweise Grodno sind ohne Visum für einige Tage zu besuchen (hier). Natürlich schrecken die ansonsten notwendigen Visa-Regularien für andere Gebiete und längere Aufenthalte viele Besucher ab und es scheint für Europäer naheliegender und einfacher, Länder der Schengen-Staaten zu besuchen. Seit Februar ist es allerdings auch möglich, visafrei für fünf Tage nach Belarus einzureisen, wenn die Ein-und Ausreise über den Flughafen Minsk erfolgt. Dass Belarus gerade bei Touristen von außerhalb der ehemaligen UdSSR nicht beliebt ist, habe ich während meines Aufenthaltes gefragt. Ich wurde häufig gefragt, was zur Hölle ich als Deutscher denn bloß in Belarus mache. Dies war nicht böse gemeint, spiegelt aber die Touristenquote in diesem Land, vor allem wohl in der Region um Mogiljov sehr gut wider, auch wenn diese Gegend meiner Meinung nach viel zu bieten hat. Historische Städte wie Wizebsk

Russisch-Orthodoxe Kirche in Wizebsk

(Geburtsstadt Marc Chagalls), Orscha oder Krytschau sind schnell zu erreichen. Für wen ein Strand oder hohe Berge das Wichtigste im Urlaub sind, der ist in Belarus vielleicht nicht unbedingt perfekt aufgehoben. Das Land hat keine Küste und die höchste Erhebung ragt 300 Meter über dem Meeresspiegel. Aber die weitläufige und unberührte Natur hat mindestens genauso viele Reize. Ein paar Grundkenntnisse der russischen Sprache, zumindest aber im kyrillischen Alphabet sind durchaus empfehlenswert für eine Reise. Auch die für Westeuropäer niedrigen Preise in der Lebenshaltung, vor allem beim

Typisch belarussische Tafel: Bortsch-Suppe, Gefüllte Pfannkuchen und Kolduni (gefüllte Kartoffelpuffer) und Heringsfilet im „Pelz“

Ausgehen und im öffentlichen Transport sind sicherlich für viele ein Argument für Belarus.

Wer also gerne mal ein untypisches Urlaubsziel besuchen und dabei nicht den sonst üblichen Touristenansammlungen begegnen möchte, sollte sich auf den Weg nach Belarus machen. „Dawai dawai“, auf geht’s.

Bilder: Eigene Aufnahmen

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