Das Lachen der Anderen, Teil 2

Über die Sendung „Das Lachen der Anderen – Comedy im Grenzbereich“ hatte ich bereits vor einigen Monaten schon einmal berichtet. Darin fahren die beiden Comedians Micky Beisenherz und Oliver Polak durch Deutschland und besuchen Menschen, die irgendwie nicht in das sehr enge Raster unserer Gesellschaft passen. Sie besuchten Blinde, Kleinwüchsige und Tierliebhaber, sprachen mit ihnen über ihr Leben, Klischees und Tabus und fertigten daraus schließlich eine Stand-Up-Nummer an, zu der sich alle im Anschluss trafen. Und genau eine solche habe ich im letzten Monat besucht.

Per Facebook lud die Produktionsfirma der Sendung zu zwei Terminen ein, für die man sich kostenlos auf die Gästeliste schreiben lassen konnte. Eine Veranstaltung war in Köln über HIV, die andere in Essen über Menschen mit dem Down-Syndrom – beides also keine einfachen Themen, über die sich leicht Witze machen lassen. Umso gespannter war ich, wie Polak und Beisenherz sich den Geschichten der Menschen und dem Tabu widmen würden, aber auch darauf, wie eine solche Sendung organisatorisch ablaufen würde.

Also meldete ich mich für die Show in Essen an, bekam nach einigen Tagen eine schriftliche Zusage machte mich am 17. Dezember auf den Weg zum Hotel Shanghai, einer kleinen, alternativen Disko. Vor der Bühne saßen bereits die Menschen, die die beiden auf ihrer Reise getroffen hatten, dahinter Freunde und Familie, aber auch einfache Zuschauer wie ich. Nachdem Kameraeinstellungen überprüft und Regieassistentinnen nervös hin und hergelaufen waren, ging es dann los. Polak betrat, sich treu bleibend in Jogginghose und mit seinem Hund unter dem Arm, die Bühne – und verließ sie nach einer kurzen Begrüßung gleich wieder, um sie einem seiner Gäste für ein Warm-Up zu überlassen. Der Mann, wie auch die anderen Gäste dieser Sendung hat das Down-Syndrom, ist geschätzt Mitte 30 und wurde von Polak als Performance-Künstler angekündigt. Was folgte, war eine Gesangs-Playback-Tanz-Einlage, die sicherlich jedem Schlager-Fan zum Dahinschmelzen gebracht hätte, mich aber nur peinlich berührt schmunzeln ließ. Dass der Mann da auf der Bühne dann als krönenden Abschluss ein Lied schmetterte, von dem ich nicht mehr verstand als die Zeile „Der Bass muss ficken“, machte die seltsame Wirkung dieses Auftritts nicht gerade besser. Natürlich hatte der Mann sichtlich Spaß daran und das Publikum klatschte freudig mit, aber hier zeigte sich schon der Kern des Problems im Umgang mit Menschen mit dem Down-Syndrom und der Schwerpunkt des Sendungs-Konzepts: Was ist erlaubt und was ein Tabu? Inwiefern behandeln wir diese Menschen anders und wieso eigentlich? Wurde dieser Mann einfach nur vorgeführt beziehungsweise hatte die Produktionsfirma ihm zu diesem Lied geraten, oder hat er diesen Auftritt genau so aus eigenen Stücken gewählt? Und: Jubelte das Publikum ihm nur zu, weil man das bei Menschen mit einer Beeinträchtigung halt so macht, oder hätten sie bei jedem anderen auch so reagiert?

Dass diese Fragen letztendlich unbeantwortet bleiben ist sicherlich ebenso ein Teil des Konzepts der Sendung wie die Auseinandersetzung des Zuschauers mit den eigenen Denkmustern und Verhaltensweisen in Bezug auf Menschen, die vermeintlich nicht so sind wie wir. Oder aber doch, wenn Polak im Anschluss in seinem Stand-Up von den Treffen mit seinen Gästen erzählt; davon, dass sie arbeiten gehen wie jeder andere, gerne mal einen über den Durst trinken und normale Beziehungen führen. Dennoch fehlte Polak seine übliche Schärfe. Seine Witze, die in vergangenen Sendungen oftmals auch unter die Gürtellinie gingen, wählte er hier bedachter und vorsichtiger. Hat Polak selber also einen Unterschied gemacht zu seinen bisherigen Gästen? Oder hat er sich einfach nur auf diese Menschen in Sachen Empathie und Humor eingestellt? Dass die Sendung mit einer Performance-Einlage Polaks beendet wurde, begleitet von mithilfe des Publikums geworfenem Konfetti und Luftballons, rundete die Wahrnehmung einer Light-Versions eines Stand-Ups ab, die nicht besser oder schlechter, aber deutlich anders war als bisherige.

Wann die neue Staffel von „Das Lachen der Anderen“ ausgestrahlt wird, hat der Sender noch nicht bekanntgegeben.

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