Ein kleines Stück eigenes Paradies

Es ist Samstag, das Wetter ist angenehm. Zu kalt für ein Picknick im Park, aber auch zu warm und sonnig, um in der Wohnung zu bleiben. Also schwinge ich mich auf mein Fahrrad und mache mich auf zu einer kleinen spontanen Tour. Einmal quer durch Dortmund geht es an einem kleinen Waldstück vorbei runter zur Emscher. Dort, an der Grenze zwischen Innenstadt und Hörde, steht das Viadukt der ehemaligen Schlackebahn des Hochofengeländes Phoenix West. Entlang der Emscher geht es dann für mich wieder Richtung Nord-Westen. Immer wieder liegt mir dabei der Geruch von frisch angefeuerten Grills und gerade brutzelnden Würstchen in der Nase. Er kommt aus den zahlreichen Parzellen der Kleingartenvereine, die sich entlang des Emscher-Wegs aufreihen. Diese kleinen Inseln der Gemütlichkeit beschäftigen mich in letzter Zeit immer mal wieder. Ich bin zwar auf einem Bauernhof auf dem Land groß geworden, habe mich in der Stadt aber schon immer wohler gefühlt. Seit meinem Abitur lebe ich entsprechend in mehr oder weniger großen Städten, dafür aber auch „nur“ in mehr oder weniger kleinen Wohnungen, oft ohne Balkon. Je älter ich werde, desto mehr fehlt mir allerdings ein eigenes Fleckchen Grün bzw. „Draußen“. Genau hier kommen die „Schrebergärten“ ins Spiel.

Die Vorstellung, ein kleines Grundstück mit Obstbäumen und Gemüsebeet, mit Platz für Liegestühle und Laube, gerade so außerhalb der Stadt, klingt plötzlich so gar nicht mehr spießig, sondern eher idyllisch. Immer wieder ertappte ich mich während der Fahrradtour bei dem Gedanken, dass ein eigener Schrebergarten doch eigentlich gar nicht so schlecht wäre. Vielleicht mit ein paar Freunden zusammen, mit denen man dann laue Sommerabende im eigenen Gärtchen verbringen und die Früchte der eigenen Obstbäume verzehren könnte. Oder man baut sich ganz allein seinen eigenen kleinen Garten Eden auf. Während der restlichen Fahrt durchs Grüne verfestigt sich dieser Gedanke. Wieder zuhause angekommen beschließe ich, ein wenig zu recherchieren. Leider stoße ich direkt auf ein paar kleinere und größere Probleme.

Da sind zunächst einmal die Kosten. Diese variieren nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch schon von Kleingartenverein zu Kleingartenverein. So kann das Grundstück inklusive Abschlag für Laube o. ä. zwischen 2.000 und 4.000 Euro kosten. Hinzu kommen ca. 150-300 Euro jährlichen Kosten für Mitgliedsbeiträge, Strom, Wasser, Versicherungen und Weiteres. Kosten für Bepflanzung, Grünpflege und Werkzeug sind hier noch nicht eingerechnet. Für eine Studentin wie mich ein sehr kostspieliges Paradies. Dazu kommt noch, dass die meisten Kleingartenvereine eine mehr oder weniger lange Warteliste haben, da ihre Grundstücke zurzeit alle belegt sind. Um herauszufinden, wo eventuell etwas frei sein könnte, muss man sich durch die Internetauftritte der Vereine klicken, die leider auch nicht immer aktuell sind, oder direkt die Vereinsvorsitzenden telefonisch abklappern.

Das mit Abstand demotivierendste während meiner Recherche war allerdings das Bundeskleingartengesetz. Das ist zwar nicht sehr umfangreich, aber dafür doch recht regulierend. So ist ziemlich genau geklärt, was ein Kleingarten ist und was nicht und wie groß dieser sein darf. Da kommen dann leider auch wieder die Vorurteile der spießigen „Laubenpieper“ hoch. Vor allem in Verbindung mit der Satzung des jeweiligen Kleingartenvereins spürt man kaum noch die Freiheit und Gelassenheit, die ich mir während der Fahrradtour von meinem eigenen kleinen Stück Erde zusammen geträumt hatte. Da wird sogar die Länge der Grashalme und das Aussehen der Gartenmöbel zum Politikum.

Ganz abhaken möchte ich das Projekt Schrebergarten trotzdem noch nicht, ich verschiebe es nur erst einmal auf die Zukunft und lege mich bis dahin doch noch in den Park bei mir um die Ecke.

Foto: pixabay/CC0

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