Ein Blick hinter die Kulissen

Seit März begleite ich das Kinderprojekt Klasse! Wir singen auf seiner diesjährigen Tour. Was für mich anfangs klang wie eine nette, kleine Singaktion, entpuppte sich schnell als riesige Produktion mit einem enormen Team und wahnsinnigem Aufwand.

„Klasse! Wir singen“ entstand 2007 auf Initiative des Braunschweiger Domkantors Gerd-Peter Münden mit dem Ziel, das gemeinsame und leider zu oft vergessene Singen wieder zurück in die Klassen- und Kinderzimmer zu holen. Dabei ging es nicht nur darum, Liedgut und Singkultur zu erhalten, sondern auch um die positiven Nebeneffekte, die das Singen hervorruft: Lebensfreude, Wohlbefinden sowie die Förderung der Sprachentwicklung und sozialer Kompetenzen. Besonders in einer Gesellschaft, die sich durch Multikulturalität auszeichnet, ist Gemeinsamkeit und Gemeinschaft die einzige Möglichkeit für ein schönes und offenes Miteinander. Inklusion und Integration sind somit die wohl größten Erfolge von „Klasse! Wir singen“.

Deshalb singen die Kinder, die sich mit ihrer ganzen Klasse bewerben und die Stufen 1 bis 7 besuchen, auch nicht nur typisch deutsche Lieder, sondern lernen einen breiten Kanon mit Liedern, die sich mit der Umwelt, anderen Kulturen und Fremdsprachlichkeit befassen. Nach der gemeinsamen achtwöchigen Übungsphase innerhalb der Klassen kommen die Kinder dann zu einem großen Liederfest zusammen, bei dem bis zu 6000 Kinder in ihrem Klassenverband vor einem Publikum aus Eltern und Freunden singen.

Dass so eine Veranstaltung, die dann schnell mehr als 10.000 Menschen fasst, eines großen planerischen Geschicks und einer einjährigen Vorbereitungsphase bedarf, ist auf den ersten Blick vermutlich nicht erkennbar. Dabei müssen schon im Vorjahr Hallen in den entsprechenden Städten gefunden und gebucht, Sicherheitskonzepte erstellt und Schulen eingeladen werden. Hinzu kommt ein großer personeller Aufwand. In Großstädten, wie beispielsweise in diesem Jahr in Hannover, kommen mit Projektbüro, Produktionsfirma, Technik, Band und Helfern rund 100 Personen zusammen, von denen etwa die Hälfte als festes Team von Standort zu Standort reist – und mit ihm das gesamte Equipment, das, in zahlreichen riesigen Rollkoffern verstaut, jedes Mal aufs Neue ausgepackt und aufgebaut werden muss.

Weil so viele Leute auch verpflegt werden müssen, reist nicht nur ein eigener Koch, sondern auch gleich eine komplette Küchenausstattung mit. Die kurzen Essensphasen sind meist die einzigen Verschnaufpausen, die man über die langen Tage hinweg hat, die mit bis zu drei Liederfesten sehr anstrengend werden können. In Braunschweig verteilten sich so am vergangenen Wochenende gleich 10 Liederfeste auf vier Tage mit mehreren Tausend Besuchern.

Aber der Stress lohnt sich. Die Kinder total aus dem Häuschen zu erleben und tausende Menschen gemeinsam in ihrer jeweiligen Muttersprache „Bruder Jakob“ singen zu hören, ist ein unbeschreibliches Erlebnis – auch für Erwachsene. Wer sich selber ein Bild davon machen möchte, kann zu den noch folgenden Veranstaltungen an den Standorten Göttingen, Stade, Quakenbrück oder Kassel kommen. Tickets gibt es nicht nur bereits für kleines Geld an der Tageskasse, sondern sie dienen auch dem guten Zweck und finanzieren folgende Liederfeste.

 

Foto: eigene Aufnahme