Gärten der Zukunft

Vertikaler Garten des Botanikers Patrick Blanc, Caixa Forum Madrid

Seit einiger Zeit ist das gesellschaftliche Interesse an Gartenkunst und Landschaftsarchitektur enorm gestiegen. Vielleicht wird sie nicht immer als solche wahrgenommen, aber letztendlich ist kein Baum, keine Blume in unserem weiteren Umfeld noch natürlich. Landschaften – auch die unberührt wirkenden – stehen stets unter dem Einfluss des Menschen. Besonders das Urban Gardening ist vielen ein Begriff, bedeutet jedoch nicht mehr als die Nutzung der städtischen Freiflächen zum Anbau von Obst und Gemüse oder Kräutern. Was früher noch spießige Schrebergärten waren, ist heute zu einer hippen und alternativen Bewegung geworden, die sich zunehmend auch mit den Belangen der Umwelt auseinandersetzt.

Denn das Grün in der Stadt schwindet und weicht immer mehr der urbanen Infrastruktur, die es, angesichts einer wachsenden Stadtbevölkerung (bis zum Jahr 2050 werden 80 % aller Menschen in Städten leben), zwangsläufig geben muss. Gleichzeitig darf aber auch der Pflanzenanbau nicht vernachlässigt werden. Nicht nur, weil Bäume das Ökosystem stabilisieren und Sauerstoff produzieren, sondern auch, weil Grünanlagen maßgeblich die menschliche Psyche beeinflussen.

Der Mensch sucht instinktiv die Nähe zur Natur, will aber sein gewohntes und bequemes Umfeld, die Stadt, immer weniger verlassen. Diese Entwicklung haben auch Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Künstler erkannt und nach neuen Formen des Stadtgartens gesucht, die die „Natur“ mit der Stadt vereinen. Einer von ihnen ist Patrick Blanc, ein französischer Botaniker, der in den 1980er-Jahren ein Patent zur vertikalen Fassadenbepflanzung entwickelte. Sich an dem natürlichen Wachstum von Moosgewächsen und Rankpflanzen orientierend, platziert er mithilfe von Vliesplatten großflächige Gärten an Häuserwänden, aber auch im Innenraum. Die Arten stimmt er auf Standort und Klimazone ab, häufig benutzt er heimische Sträucher und Staudengewächse, besonders im asiatischen Raum jedoch auch für uns exotische Pflanzen wie Orchideen, die dann aus der Wand herauszuwachsen scheinen.

Blancs Gärten sind dabei nicht einfach nur schön, sondern weisen auch einen enormen Nutzen auf: Sie tragen zur Reinigung der Stadtluft bei, dienen als Häuserdämmung und -isolierung und können – bei Positionierung um Teichanlagen – als Filteranlage Anwendung finden. Zudem lockern sie das städtische Gesamtbild auf, sind sie doch in erster Linie ungewohnt und als Gartenanlage neu für den Betrachter.

Wer einen solchen Garten einmal besichtigen möchte, findet diese inzwischen auf der ganzen Welt, darunter in Berlin und Frankfurt, London sowie Brüssel. Besonders empfehlenswert ist auch die Anlage in Madrid, wo Blanc 2007 die Fassade des Caixa Forums bepflanzte. Auf einer Fläche von 460 m² kommen dort 15.000 Pflanzen aus insgesamt 250 Arten zusammen – und machen deutlich, dass ein Garten nicht immer begehbar sein muss, um einen Mehrwert für Stadt und Gesellschaft darzustellen. Wachsen die Städte weiter in dieser rasanten Geschwindigkeit, so wird es bald kaum noch eine andere Möglichkeit der Grünflächengestaltung geben. Gärten in der Höhe sind die Gärten der Zukunft.

 

Foto: Wikipedia / gemeinfrei