„Zimmer frei!“ verabschiedet sich

Seit 20 Jahren laden Götz Alsmann und Christine Westermann jeden Sonntag um 22.15 Uhr zu einer Stunde voller inteZimmerFrei.svgressanter Interviews, Musik, Spiele und verrückte Aktionen ein. Prominente wie Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers oder Sarah Connor geben sich in der amüsanten Sendung die Klinke in die Hand und versuchen, das Publikum im Laufe der Sendung von sich zu überzeugen. Denn das Publikum vor Ort stimmt mit roten oder grünen Karten ab, ob der Gast das Zimmer in der imaginären Wohngemeinschaft bekommt. Für die meisten Gäste regnet es am Ende der Sendung grüne Karten, für wenige, wie z. B. Verona Pooth, gab es mehrere rote Karten.

Doch im September dieses Jahres soll Schluss sein mit der Sendung, die zunächst als Lückenfüller für die Sommerpause gedacht war. Nach mehr als 700 Folgen soll das Moderatoren-Duo nun abdanken. Über die Gründe dafür wird noch gemunkelt. In einigen Quellen wurde das Alter von Christine Westermann als Grund genannt. Diese sei mit 66 Jahren zu alt für die Sendung. Eine harte und nicht ganz nachvollziehbare Entscheidung. Ohne „seine“ Christine und stattdessen mit einem jüngeren Ersatz wolle Alsmann die Sendung nicht fortsetzen. Ein Zeichen der Solidarität, welches nur unterstreicht, wie wichtig dieses Duo für die Sendung ist und war.

Christine_Westermann_2008

Westermann von Superbass

Christine Westermann besuchte die deutsche Journalistenschule in München und arbeitete fortan als freie Journalistin. Seit 1983 ist sie für den WDR tätig, moderierte bis 2002 die „Aktuelle Stunde“ und stieg beim Radiosender WDR2 ein. Besonders ihre Interviews sprechen das Publikum an, da sie immer passende und angemessene Fragen stellt die vielmehr als nur Smalltalk sind. Auch bei „Zimmer frei“ zeigt sie diese Fähigkeit immer gerne und redet mit ihren Gästen über ihre Kindheit, Wünsche und Ängste. Dabei erfährt man oft, was hinter der Fassade steckt. Doch sie geht nie zu weit. Die Moderatorin scheint immer zu wissen, wann die Grenzen erreicht sind und vermeidet gekonnt unangenehme Situationen.

Goetz_alsmann_2005

Alsmann von Elke Wetzig elya

Ihr Moderationspartner Götz Alsmann steht eher wie ein verrückter Paradiesvogel neben der soliden und braven Christine Westermann. Der promovierte Musikwissenschaftler hat jedoch einiges auf dem Kasten: Neben seiner Arbeit als Moderator in Radio und TV lehrt er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster „Geschichte der Popularmusik“ und ist als Jazz-Musiker mehrfach ausgezeichnet worden. Bei „Zimmer frei“ fällt er nicht nur durch seine Kleidung oder die Haartolle auf, sondern auch durch freche Sprüche und Witze, Albernheiten und seine stets flirtbereite Haltung gegenüber den weiblichen Besuchern und natürlich seiner Kollegin Christine. Nach den beliebten Spielen, in denen die Gäste ihr Können zeigen und meist in bunte Kostüme schlüpfen müssen, lässt Alsmann gerne die Kostümierungen an und trägt sie mit einer Selbstverständlichkeit, die überrascht. In der „Hausmusik“ der Sendung setzt sich Alsmann ans Klavier und stimmt zusammen mit den prominenten WG-Bewerbern ein Liedchen an. Um diese Einlage kommt keiner der Besucher herum – auch wenn manche Stimmen wohl besser im Verborgenen geblieben wären.

Doch das alles macht diese Sendung aus, die in der tristen und trashigen TV-Landschaft Deutschlands ihren Platz gefunden hatte und immer Freude auf mehr gemacht hat. Denn gerade der Mix aus albernen Spielen, tiefgründigen Interviews, musikalischen Beiträgen und freundschaftlichen Kommentaren zu den Gästen hat jeden noch so erfolgreichen Star menschlicher und normaler gemacht. Eine Sendung, die für Lacher und Spaß gesorgt hat. Mit einem wunderbaren Moderatoren-Duo, das aufgrund seiner Gegensätze so sehr harmoniert, dass es einfach eine Wonne war zuzusehen. Die letzte Folge der preisgekrönten Fernsehshow wird voraussichtlich am 4. September 2016 ausgestrahlt. Schade drum!

Fotos: Gemeinfrei über Wikimedia Commons