• Sprache

    Linguistische Lücken

    Jeder kennt das Gefühl, nicht die richtigen Worte zu finden, um das auszudrücken, was man eigentlich gern ausdrücken möchte. Selbst in der Muttersprache kommt dies immer mal wieder vor, egal wie groß der eigene Wortschatz auch sein mag. Interessant wird es, wenn man verschiedene Sprachen spricht und plötzlich merkt: Das, was ich in der einen Sprache formulieren kann, kann ich in einer anderen nicht vergleichbar verbalisieren. Mitunter mag das einfach am fehlenden Wortschatz liegen, insofern es sich um eine Fremdsprache handelt. Genauso gibt es aber gewisse Begriffe, die nur in bestimmten Sprachen leben – Begriffe, für die in anderen Sprachen keine Übersetzung mit einem identischen Bedeutungshorizont existiert. Inwiefern solche sprachlichen…

  • Literatur,  Philosophie,  Rezensionen

    „Von der Kürze des Lebens“

    “Alles eine Frage der Perspektive”, würde der Philosoph Seneca heute vermutlich sagen, wenn man sich beschwerte, dass das Leben zu kurz sei. Entgegen der Auffassung vieler, die sich darüber beklagen, wie schnell die Zeit doch vergehe, vertritt Seneca in seinem Werk “Von der Kürze des Lebens” eine andere Ansicht: nämlich die, dass es nicht zu wenig Zeit ist, die wir haben – sondern dass wir zu verschwenderisch damit umgehen. Das Leben sei lang genug, schreibt er, und reichlich bemessen auch für die allergrößten Unternehmungen – wenn es nur insgesamt gut angelegt werde. Auf knappen 60 Seiten geht es in diesem Werk um die Frage, aus welchem Blickwinkel man auf das…

  • Allgemein

    In der Vergangenheit wühlen

    Wer kennt es nicht? Man hört ein Musikstück und fühlt sich plötzlich an eine Zeit oder an einen Moment zurückerinnert. Lieder können mit bestimmten Lebensphasen verknüpft sein, oder mit Erinnerungen an vergangene Erlebnisse. Oft ist das der Fall, wenn man die entsprechende Musik über einen längeren Zeitraum sehr regelmäßig gehört hat. Aber auch das Gegenteil kann vorkommen: Wenn ein Lied einen besonders außergewöhnlichen Moment begleitet, kann sich die Verknüpfung von Musik und Erlebtem so einprägen, dass wir gar nicht anders können als beim Hören des Liedes an den Moment zurückzudenken. Dafür müssen wir das Lied nicht einmal vorher gekannt haben.

  • Allgemein,  Kultur,  Literatur

    Perspektiven aufs Alleinsein

    “Zuhause bleiben!” heißt es nun seit fast zwei Monaten. Für viele von uns bedeutet das einen erheblichen Rückgang an sozialen Kontakten. Manch einer mag auf digitale Kommunikation zurückgreifen, anderen hingegen reicht der Kontakt zur Familie oder zu den Mitbewohnern. Fest steht: Wir alle verbringen momentan sehr viel mehr Zeit mit uns selbst, als wir es vermutlich sonst tun würden. Damit kommt aber nicht jeder gleich gut klar – während einige vielleicht sogar den Rückzug und die Ruhe genießen, entsteht bei anderen das Gefühl von Einsamkeit. So verschieden die Auswirkungen der aktuellen Situation sein mögen, so verschieden sind auch die Sichtweisen auf das Alleinsein und den Umgang mit selbigem.

  • Kultur

    Von der Kunst, Vielfalt und Widersprüche auszuhalten

    “Heutzutage hat man ja so viele Möglichkeiten”, heißt es oft. Vielfalt wartet überall auf uns und erschwert uns die Entscheidungen, die wir treffen müssen: Welche Serie schaue ich? Wo kaufe ich meine Kleidung? Welchen Studiengang wähle ich? Oder doch lieber eine Ausbildung? Welche Partei wähle ich? In welchem Supermarkt kaufe ich ein? Schwieriger noch: Für welches Produkt entscheide ich mich? Alles gibt es doppelt und dreifach – der Inhalt ist meist identisch, bloß der Hersteller variiert. Egal wohin man schaut, Vielfalt scheint uns in allen Bereichen des Lebens zu begegnen. Verwunderlich ist das angesichts unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft natürlich nicht. Ob die Vielfalt jedoch eine tatsächliche Vielfalt ist, oder ob es…

  • Allgemein,  Literatur,  Rezensionen

    Buchvorstellung: The Circle

    Heute mal was anderes: eine Empfehlung zum Lesen für alle, die gerne dystopische Literatur à la 1984 oder Schöne neue Welt lesen. Der Roman “The Circle” von Dave Eggers (2013) geht in eine ähnliche Richtung, aber auf eine doch andere Art und Weise. Es liegt schon einige Jahre zurück, dass ich das Buch gelesen habe, und es gehört für mich zu diesen wenigen Geschichten, die mich bis heute nicht so ganz loslassen. Wie in allen dystopischen Werken wird auch hier ein Zukunftsszenario entworfen, welches angesichts der aktuellen Entwicklung der Gesellschaft natürlich einen Extremfall darstellt, aber wenn man genauer hinschaut, doch gar nicht so weit von der Realität entfernt ist.

  • Allgemein,  Sprache

    Paradoxe deutsche Wörter

    Wer mich kennt, weiß dass ich mich für Sprache begeistern kann. Wörter, Fremdsprachen, Grammatik… Ja, zu meiner Schulzeit war tatsächlich die Grammatik immer das, was mir beim Erlernen von Fremdsprachen am meisten Spaß gemacht hat. Ich finde es faszinierend, das System hinter einer Sprache zu erkennen – wie die einzelnen Wörter sich miteinander verflechten und schließlich, in der richtigen Reihenfolge aneinandergebaut, einen verständlichen Satz bilden. Ein bisschen wie beim Brettspiel Scrabble, bei dem man Buchstaben aneinanderlegt und diese dann ein Wort bilden.

  • Allgemein,  Literatur,  Rezensionen

    Liebe in all ihren Facetten

    Eine Buchvorstellung: Volkert Herzog – Feuervogel. Gedichte der Liebe Fast jedem von uns hat sie schon sowohl Herzschmerz als auch Glücksgefühle bereitet: die Liebe. Volkert Herzog widmet ihr ein ganzes Buch. Knapp 70 Seiten voller Liebesgedichte sind in seinem Lyrikband Feuervogel. Gedichte der Liebe zu finden, von denen jedes seine eigene Geschichte erzählt.

  • Allgemein,  Kultur,  Musik

    Machen wir Musik oder macht die Musik uns?

    Musik hat Macht. Sie kann unzählig viele verschiedene Formen annehmen. Sie macht etwas mit uns. Den einen macht sie glücklich, den anderen traurig. Manch einem kann sie auf die Nerven gehen und wieder ein anderer kann vielleicht ohne Musik nicht leben. Sie bewegt und berührt uns, und das manchmal auf ganz eigenartige Weise. Da, wo Worte nicht mehr zu finden sind, steht Musik. Und spricht durch sich selbst – manchmal mit und manchmal ohne Worte. Sie spricht auf einer anderen Ebene, die sich nicht richtig fassen lässt.

  • Allgemein

    Gent – Frühling im Februar

    Eigentlich sollte es nur ein kurzer Städtetrip ins Nachbarland sein. Dass es sich allerdings schon nach Sommerurlaub anfühlen würde, hatte ich nicht erwartet. Die Flusspromenade war voller Menschen und bis spät in die Nacht waren die Straßen belebt. Jeder wollte das schöne Wetter nutzen, den Tag genießen, in der Sonne sitzen, das erste Eis des Jahres essen… Denn man weiß ja nie, wie lange das anhält, ob vielleicht schon morgen die Temperaturen wieder sinken und der Himmel ergraut.