• Kurzprosa,  Sprache

    Das i-Tüpfelchen

    Böse Zungen behaupten, dass dem Deutschen das Jammern in die Wiege gelegt sei und er über Generationen ein spezielles Hirnareal ausgebildet habe: den Jammerlappen. Wenn der Deutsche einmal doch den Gipfel der Glückseligkeit erreicht, so geschieht das nur im ganz Kleinen. Etwa mit dem Sahnehäubchen, der Kirche auf der Torte oder dem Tüpfelchen auf dem i. Gerade das i-Tüpfelchen hat mich seit frühester Kindheit beschäftigt. Allerdings nicht als rhetorisches Stilmittel – so hochbegabt war ich zum Leidwesen meiner Verwandtschaft auch wieder nicht. Sondern als Geschäftsname eines inzwischen verschwundenen Kurzwarenhändlers im ostwestfälischen Herford. Ich war noch ein Kindergartenkind und zählte die Minuten wie Stunden, in denen meine Mutter beim Kurzwarenhändler Stoffe…

  • Reisen,  Sprache

    Drei Wochen als Pfarrer in Eisenach haben meine Sprache verändert.

    Wenn ich zurückschaue, kommt es mir wie ein Traum vor. Vier Wochen lang war ich Stadtpfarrer in Eisenach und Pfarrer auf der Wartburg zu Eisenach. Die Burg gehört zur Annengemeinde in der Weststadt zusammen mit dem Ehrensteig und der Stiftung Annen, die von der Landgräfin Elisabeth gegründet wurde. Im Frühling 2021 hatte Corona das Land Thüringen noch fest im Griff. Es war kühl, oder sogar kalt für Monat März. Die Märzenbecher im Hainichen begannen spät zu blühen, aber dann um so reicher. Überall herrschte ein strenger Lock down. Die Geschäfte waren geschlossen, ebenso Gaststätten und Hotels. Nur die lebensnotwendigen Läden, wie Einkaufszentren, Lebensmittelläden und Bäckereien hatten geöffnet. Aber natürlich durften…

  • Rezensionen,  Sprache

    „Hädded ihr ned awos in moi Mudderschproch?“

    30 Jahre Deutsche Einheit und noch immer tauchen verschollen geglaubte Kapitel der Wende-Geschichte auf. Eines davon handelt vom Deutschen Nationaltheater in Temirtau – Sie wissen schon, nördlich von Karaganda, in Kasachstan! Eleonora Hummels Roman „Die Wandelbaren“ (2019) erzählt die wahre Geschichte, wie eine Handvoll sowjetdeutscher Nachwuchsschauspieler ihre jahrzehntelang unterdrückte Muttersprache zurückerobern und sich an den Anfang eines nationalen Erwachens stellen. Ob sie den Ansprüchen der Kommunistischen Partei und des Publikums gerecht werden?

  • Literatur,  Sprache

    Briefe sind Orte der Ehrlichkeit

    Die hallische Autorin Juliane Uhl (*1980) ist thematisch vielfältig unterwegs: Sie schreibt Gedichte aus der Pandemie-Krise, ist Chefredakteurin des Magazins DRUNTER&DRÜBER und hat 2015 das Buch Drei Liter Tod – Mein Leben im Krematorium veröffentlicht. Sie versteht was davon, weil sie in einem Krematorium arbeitet. Kürzlich hat sie auch noch die Gesellschaft zum Erhalt der Handschrift gegründet. Darüber wollten wir mehr erfahren und Juliane Uhl hat sich zwischendurch auch noch Zeit für die Antworten genommen. Mehr dazu gibt es hier: www.julianeuhl.de und hier: www.gesellschaft-handschrift.de 

  • Allgemein,  Kultur

    Die deutschen Wurzeln der englischen Sprache

    Wenn Kinder aus Norddeutschland Englisch lernen, sind sie klar im Vorteil: Mit Plattdeutsch beherrschen sie eine Sprache, aus der sich das heutige Englisch vor über 1.500 Jahren entwickelte. Im fünften Jahrhundert n. Chr. wanderten die germanischen Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten aus dem heutigen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und dem südlichen Dänemark nach Großbritannien aus.

  • Allgemein,  Kultur,  Reisen

    Street-Art in Dortmund

    Was hat Murales in einer Industriestadt wie Dortmund in Deutschland zu suchen? Genau diese Frage stellte ich mir, als ich – dank eines zweiwöchigen Praktikums beim Verein Deutsche Sprache e. V. –  im Juli dieses Jahres zu meiner Überraschung eine junge, dynamische Stadt entdeckte, die durch die vielen Graffitis an den Wänden, vor allem im Stadtzentrum, lebhaft gemacht wurde.

  • Allgemein,  Musik,  Rezensionen

    Reinhard Mey – Der Lieder-Macher

    Er wurde und wird mit Auszeichnungen überschüttet – ein Beweis für seine außerordentlich große Beliebtheit in allen Altersgruppen. Vor wenigen Jahren erhielt er den “Preis der Deutschen Schallplattenkritik”. Dass man ihm diesen Preis gerade in Berlin überreichte, ist nur konsequent. Denn hier wurde Reinhard Friederich Michael Mey 1942 geboren, besuchte das französische Gymnasium und begann seine musikalische Laufbahn. Nach ersten Erfahrungen in zwei Musikgruppen kam im Jahr 1964 sein erstes Lied “Ich wollte wie Orpheus singen” heraus. Schon 1967 erhielt Mey einen französischen Plattenvertrag und gewann kurze Zeit danach mit einigen herausragenden französischsprachigen Werken den “Prix International de l’Académie de la Chanson Francaise”, und zwar als erster ausländischer Sänger überhaupt.

  • Allgemein

    18App

    In einer Zeit der Wirtschaftskrise, in der vor allem Familien besonders betroffen sind, wurde im Jahr 2016 in Italien eine wirtschaftliche Maßnahme namens “Bonus Cultura” (Kulturbonus) eingeführt, die sich an alle Jugendlichen im Alter von 18 Jahren, wendet (deswegen auch 18App genannt).

  • Allgemein,  Kultur,  Reisen

    Studienreise durch Deutschland: von Ost nach West

    Seit vielen Jahren habe ich ab und zu vom Studium in Deutschland geträumt, besonders stark im November, als ich den onSET Deutschtest auf B1-Niveau bestanden habe. Letztes Jahr ging dieser Traum nicht in Erfüllung, nicht nur durch meine eigene Schuld, sondern auch durch die Schuld der Mitarbeiterin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, die die Regeln der Beteiligung an diesen Sprachprogrammen nur auf Russisch erklärt hat und die niemand klar verstehen konnte, aber mit dem Verein Deutsche Sprache gab es gar keine Probleme, alles hat gut geklappt.

  • Allgemein,  Kultur,  Reisen

    Ein kleines Stück eigenes Paradies

    Es ist Samstag, das Wetter ist angenehm. Zu kalt für ein Picknick im Park, aber auch zu warm und sonnig, um in der Wohnung zu bleiben. Also schwinge ich mich auf mein Fahrrad und mache mich auf zu einer kleinen spontanen Tour. Einmal quer durch Dortmund geht es an einem kleinen Waldstück vorbei runter zur Emscher. Dort, an der Grenze zwischen Innenstadt und Hörde, steht das Viadukt der ehemaligen Schlackebahn des Hochofengeländes Phoenix West. Entlang der Emscher geht es dann für mich wieder Richtung Nord-Westen. Immer wieder liegt mir dabei der Geruch von frisch angefeuerten Grills und gerade brutzelnden Würstchen in der Nase. Er kommt aus den zahlreichen Parzellen der…