• Kultur,  Musik,  Sprache

    Ein Teller voll Musik

    „Was hörst du dir denn da an?“, „Dieses Lied geht ja gar nicht!“, „Mach die Musik leiser!“, „Verstehst du den Text überhaupt?“, „Musik ohne Text kann ich absolut nicht ausstehen!“ Kommen euch Szenarien wie diese bekannt vor?  Nun ja, wie beim Essen sind Geschmäcker und Vorlieben auch in der Musik eben verschieden. Der eine dreht den Lautsprecher voll auf, der andere hat die Kopfhörer auf die leiseste Stufe eingestellt. Der eine hört grundsätzlich nur ein Genre oder einen Musiker, der andere hört eine ganze Palette an Musik. Ich zähle mich zu der letzteren Gruppe dazu. Wenn ich gefragt werde, was mein Musikgeschmack (ganz nebenbei handelt es sich bei „Musikgeschmack“ um…

  • Kultur,  Literatur,  Philosophie,  Sprache

    „Les rêveries du promeneur solitaire“ – Teil I

    Jean-Jaques Rousseau ist zweifellos einer der wesentlichen Autoren der Epoche der Aufklärung. Diese Rolle ist ihm zweifelsohne zuzuerkennen. Dabei suchte Rousseau in seinem Schaffen und Denken oftmals die Opposition zu seinen Zeitgenossen, was ihn als kritisch-reflektierten Gegenpol einer fortschrittsgewandten Gesellschaft charakterisiert. Neben seiner Kritik an dem Selbstverständnis der intellektuellen Elite und der Weiterentwicklung der hobbesschen Vertragstheorie, ist auch sein Einfluss auf die Erziehungspädagogik herauszustellen. Das aber wohl persönlichste Werk stellt Les rêveries du promeneur solitaire dar. Ein Werk, welches schon aufgrund seiner chronologischen Einordnung in die Biografie des Autors besondere Qualität besitzt, denn es handelt sich um sein letztes Werk. Auch die Umstände, in denen es entstand, sind erwähnenswert. Rousseau…

  • Sprache

    Religion und Sprache – Teil 1: Die Bibel und ihre nie endende Übersetzungsfrage

    Theologie ist immer an Sprache gebunden. Wer die christliche Religion untersucht, kann dies nicht losgelöst von Sprache tun. Dies gründet allein schon in der Tatsache, dass die Rede Jesu mündlich tradiert und übersetzt wurde, und letztlich in einer Sprache, die nicht die Ursprungssprache war, erstmalig zu ihrer Verschriftlichung fand. Die ersten verschriftlichten Texte wurden abermals übersetzt und umformuliert. Unzählige Bibelübersetzungen sind in den vergangenen zwei Jahrtausenden entstanden, sodass es heutzutage nahezu unmöglich erscheint, die Urtexte zu rekonstruieren. Die Frage danach ist aber dennoch wichtig – denn eine Übersetzung kann deutlich besser in ihrer Aussageabsicht verstanden werden, wenn das Verhältnis zum Urtext geklärt ist.

  • Rezensionen,  Sprache

    „Hädded ihr ned awos in moi Mudderschproch?“

    30 Jahre Deutsche Einheit und noch immer tauchen verschollen geglaubte Kapitel der Wende-Geschichte auf. Eines davon handelt vom Deutschen Nationaltheater in Temirtau – Sie wissen schon, nördlich von Karaganda, in Kasachstan! Eleonora Hummels Roman „Die Wandelbaren“ (2019) erzählt die wahre Geschichte, wie eine Handvoll sowjetdeutscher Nachwuchsschauspieler ihre jahrzehntelang unterdrückte Muttersprache zurückerobern und sich an den Anfang eines nationalen Erwachens stellen. Ob sie den Ansprüchen der Kommunistischen Partei und des Publikums gerecht werden?

  • Allgemein,  Sprache

    Die dümmste Kirche der Welt

    Die Zahl der Austritte aus der evangelischen Kirche in Deutschland liegt bei einem Rekordhoch. 2019 verließen sie 270.000 Menschen, das sind 22% mehr als im Jahr zuvor.[1] Bei der katholischen Kirche sieht es mit 272.771 Austritten nicht viel besser aus. Aber die Reaktionen der Kirchen sind anders. Während Rom an den Überlieferungen festhält, versucht die Kirche Luthers verzweifelt, irgendwie „cool“ zu wirken, und sorgt damit immer wieder für Lacher: In jeder evangelischen Kirche – dort, wo man es also am meisten braucht – gibt es jetzt freies W-LAN, allen Ernstes unter dem Namen „godspot“.[2] Falls die Predigt langweilig werden sollte, kann man also eben zwischendurch eine Folge Breaking Bad schauen.…

  • Sprache

    Linguistische Lücken

    Jeder kennt das Gefühl, nicht die richtigen Worte zu finden, um das auszudrücken, was man eigentlich gern ausdrücken möchte. Selbst in der Muttersprache kommt dies immer mal wieder vor, egal wie groß der eigene Wortschatz auch sein mag. Interessant wird es, wenn man verschiedene Sprachen spricht und plötzlich merkt: Das, was ich in der einen Sprache formulieren kann, kann ich in einer anderen nicht vergleichbar verbalisieren. Mitunter mag das einfach am fehlenden Wortschatz liegen, insofern es sich um eine Fremdsprache handelt. Genauso gibt es aber gewisse Begriffe, die nur in bestimmten Sprachen leben – Begriffe, für die in anderen Sprachen keine Übersetzung mit einem identischen Bedeutungshorizont existiert. Inwiefern solche sprachlichen…

  • Rezensionen,  Sprache

    Warum Politiker und Fußballprofis einiges gemeinsam haben. Eine Rezension über „Und täglich grüßt das Phrasenschwein. Warum Politiker keinen Klartext reden – und wieso das auch an uns liegt“

    Der politische Betrieb und das Fußballstadion haben auf den ersten Blick wohl wenig gemein. Auf den zweiten Blick fallen jedoch Begriffe, wie Wettbewerb, Konkurrenz und Kampf, ins Auge. Abseits dieser klaren Parallelen beider Professionen – der des Fußballprofis und der des Berufspolitikers – lassen sich weitere ziehen. Eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit und ein überdurchschnittlicher Verdienst ließen sich als weitere Gemeinsamkeiten ausmachen.

  • Literatur,  Sprache

    Briefe sind Orte der Ehrlichkeit

    Die hallische Autorin Juliane Uhl (*1980) ist thematisch vielfältig unterwegs: Sie schreibt Gedichte aus der Pandemie-Krise, ist Chefredakteurin des Magazins DRUNTER&DRÜBER und hat 2015 das Buch Drei Liter Tod – Mein Leben im Krematorium veröffentlicht. Sie versteht was davon, weil sie in einem Krematorium arbeitet. Kürzlich hat sie auch noch die Gesellschaft zum Erhalt der Handschrift gegründet. Darüber wollten wir mehr erfahren und Juliane Uhl hat sich zwischendurch auch noch Zeit für die Antworten genommen. Mehr dazu gibt es hier: www.julianeuhl.de und hier: www.gesellschaft-handschrift.de 

  • Sprache

    Sag mir, wie kann ich heißen?

    Diese Frage stellen sich vor allem werdende Eltern, wenn auch in leicht abgewandelter Form: Wie soll unser Kind heißen? Eine Entscheidung fällt oftmals erst nach langwierigen Diskussionen. Und das wohl auch zurecht, denn schließlich ist der Name des Filius oder der Filiae später ein integraler Bestandteil der Identität des Kindes. Gleichwohl, der Natur der Sache nach, hat das Kind hier kein Mitspracherecht. So ließe sich namensexistenzialistisch – aus Sicht des Kindes – wohl fragen: Wer hat mich in diesen Namen hineingeworfen und warum wurde ich nicht befragt? Will niemand antworten?

  • Allgemein,  Sprache

    Wie Sprache Wirklichkeit schafft

    Können Bezeichnungen und Worte bereits durch ihren Gebrauch aufgeladen sein? Die Sprache des Nationalsozialismus, als empirisches Beispiel, lässt wohl nur eine affirmative Antwort zu. Man denke hierbei an sprachliche Konstruktionen wie Entjudung, Ausmerzung oder den Gebrauch des Adjektivs fanatisch während der NS-Diktatur. Abseits dieser klar umrissenen Thematik soll überlegt werden, wie gewisse sprachliche Verfasstheiten unseren Alltag verändern können. Wie der Philologe Victor Klemperer treffend und hellsichtig bemerkt: „Sprache dichtet und denkt nicht nur für mich, sie lenkt auch mein Gefühl, sie steuert mein ganzes seelisches Wesen, je selbstverständlicher, je unbewußter ich mich ihr überlasse (Klemperer 1975: 21).“ Man kann nun annehmen, dass wenn sich die Sprache ändert, sich auch das…